Silvretta Hochalpenstraße
Silvretta Hochalpenstraße
Silvretta Hochalpenstraße gehört zu den spektakulärsten Alpenpässen. Am schönsten ist sie dann, wenn sie eigentlich niemand mehr fährt – spät im Herbst stehen die Chancen auf dieses Erlebnis gut, weil es den meisten unserer Zunft schon zu kalt ist.

Die schönste Tour des Jahres 2020.

Eines Abends habe ich Freunden von meiner sehr durchwachsenen Motorradsaison erzählt und erwähnte, dass ich diese am nächsten Tag mit einer letzten Tour abschließen wolle. "Dann fahr doch Silvretta" kam es wie aus der Pistole geschossen – "Die Mautstelle ist bereits abgebaut, die Straße aber noch offen…"

Klang verlockend. 12 Stunden später saß ich bereits im Sattel meiner GS – warme Handschuhe und Thermo-Unterwäsche an. Ich war eingestellt auf viele Kurven und viel Spaß, aber es sollte noch besser werden.

Die Anfahrt durch das schöne Montafon ist fahrerisch eher anspruchslos, bietet jedoch grandiose Ausblicke in eine intakte Bergwelt. Trotz Tourismus konnte sich das Tal einen ursprünglichen Charakter bewahren. Bei der Mautstelle in Partenen angekommen staunte ich dann nicht schlecht – es stimmte tatsächlich. Das Mauthäuschen war abgebaut, keine Schranke weit und breit, also auf mit dem Gashahn und rein ins Vergnügen.

Die Westrampe der Silvretta Hochalpenstraße ist fahrerisch ein echter Leckerbissen. Wer enge Kehren nicht liebt oder beherrscht, sollte vorher üben. Alle anderen kurbeln sich hier direkt in den Motorradhimmel hinein. Insgesamt befinden sich auf der Westrampe ungefähr 30 der 34 Kehren auf fast 1.000 Höhenmetern. Jede Kehre eröffnet atemberaubende Panoramen in eine faszinierende, hochalpine Bergwelt.

Wo sich im Sommer hunderte Fahrräder, Motorräder, PKWs und Wohnmobile tummeln, war ich nahezu alleine unterwegs. Herrlich frei und ohne störende "Hindernisse" durfte ich eine nach der anderen Rampe erklimmen, um schließlich mit einem breiten, entspannten Grinsen unterm Helm an der Bielerhöhe anzukommen.

Sehr seltene Offroad – Gelegenheit

Die Ostrampe in Tirol ist weniger geprägt von engen Kehren, dafür führt die Straße durch ein wunderbares Hochgebirgstal – vorbei an kleinen Seen und Almhütten. Als ich so dahin cruiste, bemerkte ich, dass die Güterwege neben der Straße, die normalerweise von Wanderern gut gefüllt sind, menschenleer sind. Diese Chance bietet sich nur ganz selten, also musste ich sie beim Schopf packen.

Runter von der Straße und ab auf die top gepflegten Schotterpisten. Mein Conti Trail Attack Reifen steckten den Schotter locker weg und boten erstaunlich guten Grip. Vorbei an Bachläufen und Seen (einige waren schon zugefroren) konnte ich seit meinem Training im Enduropark Hechlingen endlich wieder einmal über eine längere Distanz losen Untergrund unter meine Reifen nehmen. Herrlich.

Wichtig finde ich zu erwähnen, dass das nur um diese Zeit möglich und auch zu verantworten ist. Nur dann sind nämlich keine Wanderer unterwegs, die sich sicher von "wildgewordenen" Motorradfahrern gestört fühlen würden.

Kulinarisches Highlight

Bei der Mautstelle in Galtür angekommen habe ich mich für eine direkte Rückfahrt entschieden, da die lange Fahrt durch das Paznaun eindeutig zu kalt war. Also fuhr ich wieder zurück auf die Bielerhöhe. Oben angekommen sprang mir ein Schild an der Straße ins Auge: "Coffee to go". Las ich da richtig? Kaffee ist ein Gut geworden, das man in Zeiten von immer wiederkehrenden Lockdowns zunehmenden seltener in der Öffenlichkeit genießen kann. Tatsächlich. Der Wirt hat einen TakeAway auf die Beine gestellt, alles war streng Corona-konform mit Maske und Handschuhen organisiert und ich konnte mit ein paar anderen "Mutigen" einen herrlichen Kaffee und einen frisch gebackenen Kuchen auf einem großen Parkplatz in der Sonne genießen. Danke für diese tolle Abwechslung.

Gestärkt und mit einer ganz tiefen Dankbarkeit und Zufriedenheit habe ich dann die Heimfahrt nach Bludenz angetreten.

Fakten

  • Mautstelle Partenen  1.051 m
  • Mautstelle Galtür 1.725 m
  • Passhöhe Bielerhöhe  2.032 m  
  • Länge 22 km  
  • Anzahl Kehren  34
  • Steigung  10 % bis max. 12 %, in den Kehren ca. 5 % 

T-Shirt Silvretta Hochalpenstraße

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Impressionen


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Michael Schnedl

Ich fahre Motorrad seit 2012. Seit 2018 bin ich immer öfter im Gelände anzutreffen. Ich liebe die Freiheit auf zwei Rädern.

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