Island

 Eine ganz besondere Reise mit dem Motorrad.

Start: 23.07.2022

21 Tage

Reisebericht

Bürs – 28.09.2022.

Die Eindrücke waren so mächtig, die Emotionen so stark, dass ich nicht in der Lage war, die richtigen Worte zu finden. Jetzt – zwei Monate nach Beginn der Reise bin ich zum ersten mal bereit, einen vernünftigen Reisebricht zu schreiben.


Der Mensch plant – und Gott lacht darüber


Wetter

Wir haben in der Vorbereitung sehr darauf geachtet, die trockenste und wärmste Reisezeit zu wählen, die dieses Land zu bieten hat. Dass Pläne nicht zwingend aufgehen müssen, haben uns die Trolle und Elfen eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Sonne hat sich in den 14 Tagen nur 4 mal blicken lassen. Dafür haben wir bis auf drei Tage jeden Tag Regen – und mancher Tag davon hat mich eher an ein Survival-Camp erinnert, als an Urlaub.

Das Gute an der Sache: Der Test der Tourmaster GTX von iXS ist extrem intensiv ausgefallen und ich kann nun mit Fug und Recht behaupten, die Motorradkombi durch und durch kennengelernt zu haben. Mehr darüber in meinem Blogbeitrag.


Rahmenbedingungen

Am Tag Nr. 3 hat uns Frank mit einer Neuigkeit aufhorchen lassen: “Ich fühle mich gar nicht gut und habe mich gerade getestet – Covid positiv”. Diese Nachricht – und damit war ich sicher nicht alleine – hat sich angefühlt wie ein Schlag in die Magengrube. Alle Ziele für diese Reise rieselten wie die Körnlein einer Sanduhr durch ein Loch ins Nichts…

Leider hat uns diese Nachricht auch als Team sehr gefordert. Während Sven und mir klar war, dass wir ab sofort unsere Reise dem kranken Frank anpassen werden (er konnte weder einkaufen, noch kochen, Hotels wären für uns alle weit außerhalb der Budgetgrenzen gewesen), konnte sich Jürgen nicht mit der unumstößlichen Tatsache anfreunden und hat Tag für Tag mehr die Gruppe verlassen. Schade.


Was ich daraus gelernt habe:

Es bleibt ein Abenteuer – gerade wenn nicht alle Pläne aufgehen, die man gemacht hat. Genau das macht ja eigentlich das Abenteuer aus. Ist man ein coolerer Typ, wenn man 500 km mehr offroad gefahren ist?

Mein Fazit: Nein. Man ist ein coolerer Typ, wenn man das Leben so nehmen kann, wie es gerade ist.


Equipment und Reiseziel

Während die allermeisten Dinge alle Strapazen mitgemacht haben, hat eines meiner wichtigsten Ausrüstungsgegenstände – meine geliebte (weil sehr kompakte) Kamera SONY RX100 am vierten Tag ihr Leben ausgehaucht. Zu viel Feuchtigkeit (sprich Wasser), zu viel Sand und Staub versetzten dem Objektivmechanismus den Todesstoß und so stand ich da – angetreten um begeisternde Lanschafts- und Motorradbilder mit nach Hause zu bringen – und musste mich fortan mit Handyfotos begnügen… ein herber Schlag für den Herrn Marketingexperten, aber nicht änderbar.

Island mit dem Motorrad - Auf dem Weg zur Askia

Unser Island – Abenteuer

Prolog: Transfer nach Island


Am Samstag, den 23.07.2022 nahm ich Abschied von meiner Frau für 21 Tage. Zugegeben ein emotionaler Moment. Die Fahrt ging nach Innsbruck, wo ich abends den Autoreisezug nach Hamburg gebucht habe. Grund für diese Maßnahme waren die Reifen. Ich wollte nicht nach 1300 Autobahnkilometern schon mit abgefahrenen Gummis in Island ankommen. Die Fahrt war unterhaltsam, eine Familie mit zwei kleinen Mädels unterhielt mich prächtig 😉

In Hamburg angekommen traf ich nach einem Jahr meine Reisekollegen Frank, Sven und Jürgen wieder. Die Freude war groß und die Begeisterung für das was vor uns lag, motivierte jeden bis in die Haarspitzen. Wir schwangen uns auf die Bikes und spulten 150 Kilometer bis kurz nach der dänischen Grenze ab. Hier hatte Frank einen Campinglatz in Broager reserviert, auf dem er Stammgast ist. Er führte uns gleich nach der Ankunft in den Wald zu einer Senke mit viel Laub und forderte mich auf, zu graben. Mulmig war´s. Kommt jetzt eine Leiche zum Vorschein? Doch dann stieß mein Stock auf etwas Hartes. Tiefer gegraben im Laubhaufen kam ein Sixpack Bier zum Vorschein, den er in der Woche zuvor hier versteckt hatte. Die Freude war groß, das Bier sogar angenehm kühl. Zum Wohl!


Dänemark hat mich mit warmen Temperaturen und sanften Farben der Abendsonne empfangen und ich bin dem Charme dieses Szenarios völlig erlegen. Ganz kurz habe ich mir gedacht:”Soll ich hier bleiben?” Aber dann fiel mir wieder ein: Wir haben ein cooles Projekt vor uns. Island, wir kommen.


Nach einem 5-Sterne Frühstück, das vom Platzbesitzer ans Zelt geliefert wurde, nahmen wir die 500 Kilometer nach Hirthals unter die Räder. Schließlich wartete die Fähre auf uns. Montags ging es dann ab auf die Fähre, die ersten Kontakte mit anderen Reisenden wurden geknüpft, jetzt waren zwei Tage Zeit, möglichst viele Informationen zu sammeln und die Route im Detail zu planen.

Die Überfahrt war unruhig aufgrund von rauher See und meine Reisetabletten gegen Seekrankheit haben sich wirklich rentiert. Voller Erwartung, gespannt wie ein Bogen landeten wir am Mittwoch in der Früh in Seydisfjördur an. Los geht´s.

Tag 1: Ab ins Hochland

Kurz nach der Fahrt von der Fähre waren wir schon auf der ersten Offroadpiste ins Hochland unterwegs. Unbesiegbar fühlte ich mich, genoss die kühle Luft und die Unendlichkeit der Landschaft.

Durch die Pläne meiner Kollegen – mindestens 500 km Reichweite müssen machbar sein – hatte ich 8 Liter Reservesprit an Bord. Natürlich nicht in schwerpunktgünstiger Lage… Die Befestigung löste sich durch das ständige Gerüttel auf der Schotterpiste immer wieder und so fing die Fuhre plötzlich an, instabil zu werden. Mit diesem Zustand arrangierte ich mich solange, bis mein Vorderreifen zum ersten mal Kontakt mit Tiefsand bekam. Was in der Theorie so einfach klang – Gas aufreissen, Arsch zurück – war bei mir plötzlich unmöglich. Dort wo der Allerwerteste hingehört hätte, lag plötzlich ein Reservekanister und schon war´s geschehen. Mein erster unsanfter Abgang vom Bike. Insgesamt folgten diesem ersten Abflug noch fünf weitere an diesem Nachmittag. Immer im Tiefsand grub sich meine Dicke ein, und warf mich nach einer festgeschriebenen Choreografie schlussendlich seitlich ab. Nach dem sechsten Sturz – an dieser Stelle ein ganz großes Kompliment und Dankeschön an meine drei Reisebegleiter, die mich beim unvermeidlichen Aufheben der 270 Kilo Motorrad unterstützten – beschloss ich dann, in den Notfallmodus zu wechseln. Sven sagte am Intercom “Tiefsand” und ich ging vom Gas, um im Schrittempo unter ständigem Abstützen der Fuhre durch die Sandfelder zu waten.

Was im Tiefsand ein Hindernis war, spielte mir natürlich auch in den Furten nicht in die Karten. Das Gewicht. Die Kiste war unhandlich, schwer und kaum manövrierbar. Mit vereinten Kräften hievten wir unsere Bikes über den Fluss. Elegant sieht anders aus, aber ohne Vollbad einen Fluss gequert ist schließlich auch was wert. Bei unserer ersten Flussquerung fand ich im Wasser ein KFZ-Kennzeichen. “Das ist mal ein tolles Souvenir”, dachte ich, fischte es aus dem Wasser und packte es auf´s Motorrad.

Nach sechs Stunden Kampf kamen wir total erschöpft beim Campingplatz an der Askia an. Ich war gerade vom Bike gestiegen, da sagte Sven zu mir:”Schau mal, dem fehlt dein Kennzeichen”. Einem der hunderten Dacia Duster fehlte vorne das Nummernschild und der Vergleich mit dem Heck machte mich sicher – es war das Kennzeichen, das ich als Souvenir eingeplant hatte 😉 Die Besitzer, ein Paar aus den Niederlanden, denen der Verlust noch gar nicht aufgefallen war, waren überglücklich und revanchierten sich mit einer Runde Hochprozentigem. Na Bravo! Den ganzen Tag vor lauter Stress zu wenig gegessen und getrunken und dann ein Schnapps. Der wirkte prompt und heftig und so baute ich sehr betrunken mein Zelt auf und kochte mir eine leckeres Tütenessen.

Island mit dem Motorrad - unendliche Weiten

Tag 2: Route 88

Nach einer unruhigen Nacht kroch ich morgens aus dem Zelt und machte mir mein Frühstück – Porridge wie noch viele weitere male auf der Reise. Die Stimmung war angespannt, weil wir wussten, dass das Doppelte der Strecke vom Vortag vor uns lag – und das war schon kein Kindergeburtstag. Dazu wussten wir, dass auf der 88er eine tiefe Furt auf uns wartete. Zum Frühstück haben uns schon zwei Leute ungefragt von hüfttiefen Furten erzählt, das Wasser sei beim Bus ins Gepäckfach gelaufen… keine “Good News”. Das Gespräch mit dem Ranger bestätigte das, was die anderen gesagt haben – der Wasserstand wurde uns am Oberschenkel angezeigt.

Alle außer Sven warfen die Nerven weg, das war einfach nicht zu schaffen. Sven sagte mit stoischer Ruhe:”Lass uns doch erst aml hinfahren und gucken. Wenn´s nicht zu schaffen ist, kehren wir um und übernachten wieder hier an der Askia. Mit mulmigem Gefühl im Bauch – tief verunsichert durch Angst vor Tiefsand und Monsterfurten – fuhr ich an diesem Tag ab in Richtung Ungewissheit – immer der Straße 88 entlang. Sollte Sven mit seinem grenzenlosen Optimismus Recht behalten?


Immerhin war der Himmel uns gnädig und machte uns von oben durch´s ganze Hochland hindurch nicht nass. Die ersten beiden Furten waren “Babies”, die sogar ich ohne Hilfe durchfahren habe. Dann kamen wir an die erste tiefe Furt. Wir wateten zuerst ohne Motorrad durch und suchten eine gute Linie. Die Strömung war moderat, das Wasser stand mir bis zu den Knien. “Das müsste schon machbar sein” war unser gemeinsamer Beschluss und so furteten wir den Fluss in bewährter Manier – drei Mann sichern, einer fährt. Die erste Furt war also geschafft, das motivierte. Wir trafen einen Ranger, den wir wieder nach dem Pistenzustand und den Furten befragten. “Eine große Furt kommt noch, aber wenn ihr die letzte geschafft habt, müsste die andere auch gehen” meinte er. Also rauf auf die Böcke und der nächsten Herausforderung entgegen!


Bei der vorletzten Furt angekommen – ein sehr breites Exemplar – nahmen wir wieder als erstes ein Fußbad, indem wir durch den Fluss wateten. Wassertiefe knapp unter Knie, Strömung kaum vorhanden. Yes – we did it. Siegessicher nahmen wir die Überfahrt in Angriff. Und dann kam Sven. Beflügelt durch die vielen Erfolgserlebnisse und das nahe Ende der Tortur befreite er sich durch einen beherzten Gasstoß aus den Fesseln der Sicherungsposten. Prompt verlor er die Kontrolle über sein Bike, das Vorderrad rutschte weg und er lag im Bach. Das durfte nicht passieren – kein Moped mit Wasserschlag auf dem Schrottanhänger der Fähre!!! Ich rannte los, um die Tenere aufzuheben und stolperte. Platsch. Bis zum Hals im Wasser. Aufstehen, weiterrennen. Motorrad aufheben und erst mal durchschnaufen. Sven macht das, was keiner erwartet hätte. Er drückt den Startknopf – erst nur kurz um zu sehen ob der Motor noch lebt. Dann noch einmal und das Moped hustet das ganze Wasser im Auspuff raus wie ein Löschfahrzeug. Unglaubliche Erleichterung macht sich breit. Die Tenere läuft, die Challenge kann weiter gehen.

Nachdem ich klatschnass auch noch meine BMW über den Fluss gebracht habe, war erst mal Umziehen angesagt. Es hatte 8 Grad. ich war nass bis auf die Unterwäsche und wir hatten noch mindestens drei Stunden Fahrt vor uns. Das schrie nach frischer, trockener Wäsche. Die Motorradkombi ist bei dem unfreiwilligen Vollbad natürlich auch innen geflutet geworden, aber nicht über den Stoff, der undicht geworden ist sondern über die Öffnungen an Kragen, Ärmeln und Beinen. Erstaunlicherweise war dieses Wasser nach dem Umziehen bereits abgelaufen und nicht mehr spürbar. Anfängliche Bedenken, dass mir bei der Weiterfahrt zu kalt werden könnte, verflüchtigten sich schnell. Die Kombi hielt meinen Luxuskörper kuschelig warm.


Die letzte Furt war dann auch nicht mehr sehr schwierig (oder wir bekamen schon Übung) und wir meisterten sie ohne besondere Schwierigkeiten. Der Rest der Strecke war nur noch wilde Geröllpiste – mein Lieblingsuntergrund. Da fühlte sich meine BMW richtig wohl, schepperte vor sich hin und hatte richtig Spaß. Trotz dem fahrerischen Genuss war die Strecke sehr lang und landschaftlich monoton. So kam es, dass wir alle heilfroh waren, wieder Autos am Horizont zu sehen. Wir waren zurück auf der 1 – der geteerten Ringstraße, die rund um die Insel führt. Das unmögliche haben wir also doch möglich gemacht. Sven behielt Recht.


Völlig ausgelaugt und durchgefrohren (es kühlte auf den letzten Kilometern merklich ab und begann zu regnen) beschlossen wir, unsere Route zu ändern und im nahen Myvatn einen Campingplatz zu suchen. Ein großer Fehler, wie sich bald zeigte.


Beim Campingplatz in Myvatn war die Rezeption nicht besetzt, also bauten wir schon mal unsere Zelt auf (der Regen machte grad eine kurze Pause). Als wir dann aufgebaut hatten und uns in der Rezeption anmelden wollten, waren die sehr ungehalten. “Wie könnt ihr es wagen, euer Zelt aufzubauen, ohne euch von uns einem Platz zuweisen zu lassen” war der sinngemäße Kommentar auf unsere “illegale Inbesitznahme”. Der Platz war zu 80% leer, also konnten wir die Aufregung nicht verstehen. Nach einem Beruhigungsversuch konnten wir die Leute dazu bewegen, uns die Zelte nicht umplatzieren zu lassen. Alles war nass, was uns aber besonders beschäftigte, waren die nassen Stiefel. Für den nächsten Tag war Regen und 6 Grad angesagt und wir hatten 300 km vor uns. Kein Wellnessurlaub mit nassem Schuhwerk. Dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die uns in dieser Situation nicht erlauben unsere Stiefel in ihrem vorhanden Trockenraum über Nacht stehen zu lassen, hätte ich bis dahin für unmöglich gehalten. Man muss Menschen (oder Touristen) schon sehr hassen, um so etwas über´s Herz zu bringen. Aber es kam genau so. Zu müde, mich über das Unfassbare zu ärgern, sank ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Tag 3: Myvatn, Akureyri und Covid

Der nächste Tag begann in Myvatn so, wie der letzte endete. Kurz nach dem Frühstück – wir planten gerade die Weiterfahrt – machte sich Hektik im unbeheizten Aufenthaltszelt mit Küche breit. Der Gemeinschaftsraum schließt bald zum Zwecke der Reinigung für drei Stunden. Draußen 6 Grad und Regen. Da wurde mein Fluchtreflex aktiviert. Wir bauten angesichts diesem Overload an Gastfreundlichkeit blitzartig unsere nassen Zelte ab, schlüpften in unsere nassen, kalten Stiefel und sagten dem Campingplatz “auf nimmer wiedersehen”.


Die Fahrt nach Akureyri war sehr kalt und nach den zwei Tagen Offroad auch etwas langweilig, aber das Wetter und damit auch die Stimmung wurde besser. Ein echtes Highlight war der Godafoss. Kaum zu glauben… da gibt es hunderte Wasserfälle auf Island und wir sehen erst am dritten Tag den ersten. Die anschließende Pause mit dem obligatorischen Hotdog und Kaffee tat sehr gut, insbesondere weil uns ein isländischer Motorradfahrer ansprach und uns tolle Strecken der Insel verriet. Genau das ist das Besondere beim Reisen mit dem Motorrad – man kommt besonders leicht mit Menschen ins Gespräch.

Ebenfalls besonders war ein Tunnel, in dem das Thermometer auf zwei Kilometer von 6 auf 28 Grad klettert, um dann ebenso schell wieder auf 8 Grad abzukühlen. Beeindruckend, welche Kräfte unter der Isländischen Erde wirken.

Am Campingplatz in Akureyri angekommen bauten wir im Trockenen unsere Zelte auf und erwischten sogar noch etwas Sonne. So kam es, dass wir Abends sogar in knochentrockene Zelte schlüpfen konnten. Was für ein Luxus.

Weniger luxuriös war die Wortmeldung von Frank, dass er sich schon den ganzen Tag krank fühlt. Der Blick in seine Reiseapotheke ließ mich skeptisch werden. Da waren viele Globuli zu sehen. Da seine Gedanken schon auf der Fähre immer wieder um das Thema Corona gekreist sind, wollten wir ihn beruhigen und ich gab ihm einen Test. Covid Positiv war die niederschmetternde Erkenntnis.


Wir erklärten sein Zelt zum Quarantänezelt und beschlossen, erst einmal zwei Tage am Platz zu bleiben um zu sehen, wie sich seine Situation weiter entwickelt. Frank wurde mit Tee und Essen versorgt – wie bei einem Hund vor die Türe gestellt und das leere Geschirr später wieder eingesammelt. Der arme Kerl konnte einem nur leid tun.

Tag 4: Formula Offroad Iceland

Frank´s Zustand hatte sich verschlechtert. Mit Husten und Schüttelfrost fieberte er tapfer in seinem Zelt besseren Zeiten entgegen. Für uns hieß das “Plan für den Tag schmieden”. Am Vorabend haben wir von einen Paar aus Deutschland erfahren, dass in der Stadt ein Rennen der Formula stattfindet. Das Spektakel hatten Sven und Jürgen sowieso schon am Schirm und so war der Tagesplan schnell definiert. Frank mit Tee versorgen und dann auf die Motorräder und rein ins Vergnügen. Mit EUR 20,- Eintritt sicherten wir uns ein beeindruckendes Offroad-Spektakel der Sonderklasse.

Die Helden in ihren Offroad-Raketen kletterten Sandwände hinauf, auf denen sich die Streckenposten schwer taten, Halt zu finden. Überschläge wechselten sich mit Luftsprüngen ab, immer begleitet von einer Duftwolke aus Benzin und verbranntem Öl. Männerprogramm vom Feinsten.

In der Pause durfte das Publikum ins Fahrerlager auf Tuchfühlung mit den “Gladiatoren” und deren höllischen Maschinen gehen. Sehr beeindruckend.

Abends hatten wir dann einen zweiten Punkt auf unsere Liste: Wieder mal mit frischen Zutaten kochen. Die Fertignahrung hing jedem schon zum Hals raus. Also rein in den Supermarkt und nach Herzenslust einkaufen. Das Ergebnis des Koch-Events hat auch verwöhnte Gaumen wie den meinen begeistert. Eine nahrhafte, gesunde Abwechslung in unserem kulinarischen Alltag.

Tag 5: Gefährlicher Transfer mit Hot Pot

Am Morgen verkündete uns Frank:”Heute kann ich wieder fahren”. Nachdem ich ihm an Vorabend ein Neocitran verabreicht habe, wunderte mich das kaum – das Zeug weckt Tote auf. Also bauten wir die Zelte ab und packten unsere Motorräder, bezahlten den Platz und machten uns auf den Weg. Es regnete und kalt war es auch wieder einmal – kuschelige 6 Grad. Die Fahrt war wenig reizvoll. Irgendwann mussten wir uns in einer Tankstelle aufwärmen. Wir drei saßen im Warmen und tranken Tee, Frank blieb draußen, weil er niemanden anstecken wollte.

Nach 300 Kilometern waren wir dann am Ziel – dem Campingplatz Tjaldsvæði Sæberg – angekommen. Unser Pazient gestand mir an diesem Tag irgendwann, dass er auf dem Motorrad Sekundenschlaf hatte. Es war einfach zu viel für ihn in diesem Zustand. Frei nach dem Motto “die meisten Helden dieser Welt liegen auf irgendwelchen Friedhöfen rum” beschlossen wir, Frank die nächsten zwei Tage nicht mehr Held spielen zu lassen und quartierten uns fest ein.

Kein schlechter Platz für ein Quartier! Panorama-Gemeinschaftshaus, saubere Sanitäranlagen, Möglichkeiten zum Trocknen unserer Klamotten und – jetzt kommt´s – ein Hot Pot direkt vor der Haustüre.

Tag 6: Zahlenspiele – 72 statt 27

Unser größtes Ziel, auf der Nord-Süd Route Nr. 27 (durch die abenteuerlichsten Furten des Landes) die Insel zu durchqueren, war in weite Ferne gerückt. Zu schlecht war Frank´s Zustand und auch das Wetter spielte verrückt. An diesen Tagen wurde die Askia-Route wegen Schneefall gesperrt und keiner wusste, ob wir die 27 je fahren werden können. Also dachten wir uns, wenn schon nicht die 27, dann halt die 72, die uns auf einer herrlichen Schotter-Tour auf die 711 und auf dieser rund um die die Halbinsel Vatnsnes führte.

Fabelhaft, was diese Route für Panoramen bot. Es gab Abschnitte, da fuhr ich in 50 Metern entfernung am Meer entlang. Auf der anderen Straßenseite kam ein Bach aus einer kleinen Schlucht. Einfach malerisch – wäre nicht das Wetter gewesen – wieder Regen und 8 Grad 😉

Der Regen verwandelte die Schotterpisten ganz schnell in Matschpisten und dementsprechend sahen dann auch unsere Bikes aus… einheitliches Braun machte sich breit. Die Motorradkombi war ebenfalls von der Hüfte abwärts paniert mit Schlamm. Das konnte ich aber nach der Tour gleich wieder in Ordnung bringen. Schließlich hatte ich eine Gore-Tex Kleidung also begab ich mich in die Dusche und spülte das edle Teil wieder sauber – schließlich wollte ich auch einmal auf den Fotos eine so saubere Kleidung anhaben wie die anderen Motorrad-Blogger.

Ein Bier im Hot Pot und ein herrliches Chilli – frisch gekocht von Jürgen – rundeten diesen sehr schönen Tag ab.

Tag 7: Südwärts

Jetzt war es dann so weit. Frank konnte wieder etwas fahren – oder er war verzweifelt genug, weil ihm die Zeltdecke auf dem Kopf fiel ;-). Wer konnte es ihm verdenken. Den Weg in die Westfjorde befanden wir für zu anstrengend, außerdem war da eine gewisse Unsicherheit wie es mit ihm weiter ging. Außerdem war es so, dass allen der dauernde Regen tierisch auf die Nerven ging. Der Wetterbericht brachte für den Süden Sonne und 2-stellige Temperaturen!!! Nichts wie hin.

Damit wir von der Insel auch mal etwas sehen, packten wir auf der Route ein paar Sehenswürdigkeiten dazu. So kam es, dass wir den Glanni zu sehen bekamen – einen kleinen aber malerischen Wasserfall inmitten von Lava und grüner Natur. Einer der schönsten Abschnitte der gesamten Reise war der Walfjord (Hvallfjördur). Eine schmale Straße führte uns kurvig und hügelig durch menschenleere Gegenden und prächtige Landschaften. Ganz am Ende wartete ein kleiner Wasserfall – der Skhorhagafoss auf uns, der umgeben war von den berühmten wunderschönen Moosen der Insel.

Als wir aus der Walbucht raus kamen, überlegte ich mir kurz, ob ich sie noch einmal in entgegengesetzter Richtung fahren soll. Der Hunger trieb uns weiter Richtung Reykjavik, wo wir am Rand der Stadt an einer Tankstelle unseren obligatorischen Pylsa (isländisches Nationalgericht – ein Hot Dog der mit einem Kaffee immer um die 7,- EUR kostet) verspeisten. Dort empfing uns die Kassiererin ganz aufgeregt: “Did you hear jet? A volcano has erupted, lava is comming out”. Na, das war doch mal eine Nachricht. Und das ganze soll 40 Kilometer entfernt statttfinden. Mittendrin statt nur dabei.

Für diesen Tag hatten wir aber ein anderes Ziel – nämlich Selfoss, der Campingplatz war schon reserviert. Also cruisten wir mit dem festen Vorsatz weiter, morgen Vulkan schauen zu gehen.

Der Platz in Selfoss war gemütlich gelegen, wir konnten trocken unser Zelt aufbauen und nach einer zünftigen Tütenmalzeit und ein paar Kinderbierchen (das 2%ige Schwachbier, das man auch im Supermarkt bekommt) ins Zelt krabbeln.

Tag 8: Vulkan oder Hauptstadt?

Am Morgen erkundigten wir uns bei den Locals, wie man denn am besten Lava-Schauen kann. Die Auskunft hat ernüchtert. 8 Stunden Fußmarsch. Genauer recherchiert und am Platz andere Motorradfahrer befragt, die auch am Vortag hin wollten, blieben es dann immer noch 4 Stunden Fußmarsch und eindringliche Warnungen der lokalen Ranger, da die Situation noch nicht sicher genug und der Weg nicht definiert ist.

Wir beschlossen, es NICHT Touri-Like zu machen und uns über alle Verbote und Warnungen hinweg zu setzen. Zwar würden wir Lava nie wieder zu Gesicht bekommen und die tollen illegalen Bilder für´s Heldenalbum fehlten auch. Aber der Respekt für die Menschen und die Natur in diesem Land waren uns wichtiger als Effekthascherei.

Stattdessen nahmen wir die Hauptstadt Reykjavík in Angriff. Die Stadt ist für eine Hauptstadt eher klein, bietet dem Besucher aber ein ganz besonderes Flair. Die Menschen sind herrlich entspannt und überall findet man nette Kneipen. Wir haben die besten Fish & Chips meines Lebens dort gegessen und das für Island-untypische EUR 25,-.

Die Halgrimskirche ist eine der schönsten Sakralbauten der Welt für mich. So schlicht müsste Kirche allerorts sein…

Am Abend dieses Tages kippte im Team dann endgültig die Stimmung. Frank, der daheim geblieben war aber schon wieder so fit war, einkaufen zu gehen, hat eine Packung Chips mitgebracht und war gerade dabei sie zu vernichten als wir heim kamen. Er bot uns welche an und Sven und ich griffen zu. Ab diesem Zeitpunkt waren wir für Jürgen leider auch hoch infektiös und er mied uns immer mehr. Ich konnte das irgendwie verstehen, er musste nach unserem Trip fit für den Familienurlaub sein. Für die Truppe war es aber schade, da wir de facto ab diesem Zeitpunkt nur noch zu dritt waren.

Tag 9: Gulfoss & Strokkur

Wir hatten Lust auf Schotterpisten und ein paar Sehenswürdigkeiten. Was lag also näher, als die Attraktionen an der 35 einzusammeln und den Rückweg über kleinere Seitenpisten zu nehmen?

Die 35 ist – zumindest bis zum Gulfoss eine wahre Autobahn. Für isländische Verhältnisse sind Massen an Menschen unterwegs – Salzburgs Getreidegasse würde mit dieser Menge an Touristen leer wirken. Als erstes schauten wir uns den Geisir “Strokkur” an. Es ist der regelmäigste Geysir Islands und zeigt alle paar Minuten, wie viel Power in ihm steckt. Wenn man Ahnung von Physik hat und sieht, welche Wassermenge mit welcher Wucht aus der Erde katapultiert wird, dann kann man die unbändige Power erahnen, die dieser Geysir in sich trägt.

Das ganze Gebiet rund um den Strokkur ist faszinierend. Überall blubbert und dampft es. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, die Erde könnte jeden Moment aufbrechen und Lava spucken.

Nach dem Strokkur ging´s noch ein paar Kilometer weiter zum Gulfoss – einem der mächtigsten Wasserfälle der Welt. Bis zu 2.000 m3 Wasser pro Sekunde fließen über diesen markanten Wasserfall in Richtung Meer. In 300 Metern Entfernung hat man noch die feinen Wassertröpfchen in der Luft, die dieser Koloss aufwirbelt. Beim Gulfoss haben wir dann auch gesehen, wie ein Isländischer Bus aussieht – Reifendurchmesser 1,7m und davon 8 Stück!!

Der Heimweg war dann über kleine Schotterpisten sehr gemütlich. Ausnahmsweise schien die Sonne und es war herrlich warm (16°C).

Tag 10: Vik – ein Juwel Islands

Wieder einmal fanden wir morgens ein Loch in der Wolkendecke, um trocken unser Zelt abzubauen. Bei Regen starteten wir mit dem Ziel Vik – einem kleinen Ort im Süden der Insel. Mit jedem Kilometer wurde die Straße gemütlicher und die Landschaft schöner. Außerdem klarte der Himmel wieder einmal auf. In Vik angekommen fanden wir einen tadellosen Campingplatz (der in Selfoss war hygienisch nicht ganz einwandfrei 😉 an. Zwischen einem Felsen und einem Wasserfall durften wir unser Zelt aufschlagen. Schöner geht´s nicht.

Nachmittags war das Wetter noch gut, also brausten wir noch einmal los, um den Black Beach und die Papageientaucher zu sehen.

Tag 11: Flugzeugwrack

Es war wieder mal Regen angesagt. Während es Sven und Jürgen in der Gashand zuckte und sie noch Lust auf ein paar Furten hatten, beschloss die ältere Generation, Sightseeing zu machen. Frank und ich haben beide fliegerische Vergangenheit und da lag es sehr nahe, das Flugzeugwrack auf dem Sólheimasandur anzusehen. Nach einer Notlandung am 24. November 1973 lag die Douglas C-117 (die Militärversion der DC-3) Jahrzehntelang im Sand. Heute zieht das verwitterte Wrack, das einen ganz eigenen Charme hat, jedes Jahr Tausende Touristen an.

Der Weg dort hin war schon ein Abenteuer für sich. Starkregen, Seitenwind, schlechte Sicht. Am Parkplatz angekommen sahen wir ein Fahrverbotsschild und einen Offroad-Bus. Ein Gespräch mit dem Fahrer machte klar – es sind zwei Stunden Fußmarsch und es ist verboten zu fahren. Am Tag zuvor hat ein Blogger ein Bild auf Facebook gepostet mit deinem Bike neben dem Wrack. Natürlich reizte es mich, auch ein solches Bild zeigen zu können. Doch was ist, wenn das jeder macht? Wenn keiner die Regeln akzeptiert, die die Menschen in diesem Land aufstellen, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn die Einheimischen beginnen, die Touristen zu bestrafen.

Nettwerweise haben die Leute uns ja einen Bus zur Verfügung gestellt, der uns für 10,- EUR zum Wrack und wieder zurück gebracht hat. Gut investiertes Geld, denn der Weg war weit und in einem erbärmlichen Zustand. Das Flugzeug war einmalig. Schwarzer Sand, graues Aluminium, Nebel. Fast schon mystisch wirkte die Szene, in der sehr tolle Bilder entstanden sind.

Tag 12: Beginn der Eiszeit

Das Wetter – wieder mal Dauerregen – motivierte uns stark, weiter zu ziehen, obwohl die Prognose für unser Ziel in der Nähe des Vatnajökull Gletschers ebenfalls schlecht war. Die Fahrt dort hin wird mir zeitlebens in Erinnerung bleiben.

Die erste Etappe war noch sehr schön. Wir machten noch einen kleinen Abstecher in die Þakgil-Schlucht. Die Landschaft dort hin war atemberaubend. Schwarzes Gestein, Sand und grüne Moose so weit das Auge reicht.

Zurück auf der Ringstraße fing Dauerregen an. Das waren wir ja schon gewohnt, aber diesmal kam ein kräftiger auflandiger Sturm dazu, der uns mit unseren Bikes immer wieder in die Fahrbahnmitte drängte.

Bei der Fahrt über einen Brücke erfasste uns dann unmittelbar nach der Brücke eine Böe und verfrachtete unsere Motorräder innerhalb einer Sekunde komplett auf die Gegenfahrbahn. Dass wir heute alle noch dastehen, hat einen einfachen Grund. Es gab gerade keinen Gegenverkehr.

Nach drei Stunden Fahrt im Regen und fallenden Temperaturen (bis zu 4°C) fing die Feuchtigkeit an, überall rein zu kriechen. Total unterkühlt und fertig mit der Welt kamen wir am Camping Skaftafell an. Wir brauchten einen Trockenraum und eine warme Küche, davon war auf dem Campingplatz aber weit und breit nichts zu sehen. Total entnervt war die Stimmung im Team plötzlich gefährlich explosiv. Eine Eruption blieb nicht aus – diesmal war ich mal dran ;-). Kaffee und Kuchen im nahen Restaurant beruhigten die Gemüter dann aber wieder und wir fanden einen Campingplatz in der Nähe, an dem wir dann auch wenig später unsere Zelte aufschlugen und uns im Gemeinschaftsraum aufwärmten. Das war der erste Tag, an dem ich ein Zelt hatte, das innen feucht war. Gemütlich ist anders aber der Retter in dieser Situation war die Isomatte von Exped, die mich immer auf Distanz zu Wassertropfen und Kälte hielt.

Tag 12: Ende der Eiszeit


Für diesen Tag beschlossen wir, die Strecke bis Egilstadir in einem Stück zurück zu legen. Nach ein paar Kilometern im Nieselregen kamen wir am Diamond Beach an. Pflichtstop. Es beeindruckte mich, wie der Gletscher hier in seinem Moränensee Eisschollen Richtung Meer entließ. Dem sicheren Tod entgegen trieben diese durch einen kleinen Fluss ins Meer. Die Brandung bringt dann kleine Resteis-Brocken wieder zurück an den schwarzen Strand. Sehr eindrucksvoll.

Nach dem Diamond Beach hatten wir einen wunderschöne Fahrt immer am Meer entlang. Herrliche Panoramen, die sich nach jeder Kurve änderten.

Zum Abschluss gab´s dann noch einmal etwas Schotter. Der Öxipass verzauberte uns mit hervorragenden Schotterpisten, atemberaubender Natur und immer weiter steigenden Temperaturen. Bei der Ankunft in Egilstdir hatte ich 18°C in meiner Temperaturanzeige. Rekord.

Beim Zeltaufbauen zu schwitzen war neu für mich, aber durchaus angenehm. In Egilstadir verbrachten wir dann noch zwei Tage, bevor es morgens wieder retour auf die Fähre ging.

Generelles


Ist es eine gute Idee, mit dem Motorrad nach Island zu reisen? Unbedingt.

Ich kann dir nicht sagen, ob es für dich eine gute Idee ist, möchte dir aber ein paar Fragen mitgeben, anhand derer du eine bessere Entscheidung treffen kannst.


Wer ist in Island falsch?


  • Wenn du keine Kälte magst (Wir hatten im Juli / August zwischen 6 und 14 Grad (20 Grad nur 2 Tage)
  • Leute, die keinen Regen mögen
  • Leute mit kleinem Budget (dazu später mehr)
  • Leute, die wenig Geld haben UND kein Camping mögen


Wann bist du in Island richtig?


  • Wenn du gerne offroad fährst
  • Wenn du gerne wenig Menschen um dich herum hast
  • Wenn du gerne unendliche Weiten mit unbrührter Natur hast.


Geld

Island ist verschrien als teures Urlaubsland. Das stimmt uneingeschränkt. Meine Reise hat ein Budget von über 5.000,- EUR vertilgt und war damit die bis dato teuerste meines Lebens ;-). Das Budget habe ich zur Hälfte für die Reise selbst benötigt, die andere Hälfte für Ausrüstung (Mann und Motorrad) speziell für diesen Trip.

Restaurantbesuche sind unheimlich teuer. Hotels in der Hauptsaison (und vor allem nach mehreren Regentagen) auch. Eine Hotelübernachtung kostet schnell bis zu 500,- EUR, ein Hüttenschlafsaal (Matratzenlager) mit Gemeinschaftsdusche am Gang muss mit EUR 160,- pro Nacht veranschlagt werden. Diese Preise verstehen sich bei kurzfristiger Buchung. Wenn du ein Jahr im Voraus buchst, kannst du auch mit der Hälfte durchkommen.

Wir haben uns für´s Zelt entschieden – ein Campingplatz kostet ca. 20,- EUR pro Nacht. Im Discounter kosten Lebensmittel ein wenig mehr, als bei uns in Österreich. Natürlich kommt es auf deine Ansprüche an. Ich habe auf dieser Reise nicht auf gesunde Ernährung geschaut, satt zu sein, war mir wichtig.


Was bei einer Islandreise ins Geld geht, sind zum einen die Transferkosten (Fähre ca. 1.000,- + An- und Abreise nach Hirtshals / DK) und außerdem die Kosten für die Ausrüstung. Die meisten von euch werden für sonnige Gegenden perfekt ausgerüstet sein. Das ist auf Island jedoch nicht zu gebrauchen. Zelt, Isomatte und Schlafsack müssen täglich höchste Beanspruchungen aushalten, wenn eine dieser Komponenten ausfällt, wird´s ganz schnell ungemütlich – oder gar gefährlich. Eine Sturmnacht im Hochland (vielleicht noch mit Schnee) kann reichen, um dein Zelt zu schrotten und dann wird´s eng.

Die Motorradkombi ist auch eine Schlüsselkomponente. Die Modelle, die dich bequem und sicher durch Regen und Sturm bringen, bekommst du meist nicht für 500,- EUR beim Discounter.


Essen

Wir waren 22 Stunden am Tag im Freien, meistens mit viel Anstrengung beim Motorradfahren. Da hast du Abends nicht mehr viel Energie, dir etwas feines zu köcheln…

Je nachdem wo du unterwegs bist, gibt es da auch keinen Supermarkt mehr, wo du dich mit frischen Sache eindecken kannst. Mit dem Motorrad ist Einkaufen sowieso ein etwas schwieriges Unterfangen, du hast einfach sauwenig Stauraum, das heisst du kaufst immer nur für einen Tag ein. Wir haben fast täglich einen Stopp bei einer Tankstelle gemacht, wo man fast immer das Nationalgericht bekommt: HotDog. Komischerweise geht mir der nach zwei Wochen immer noch nicht auf die Nerven.

Wenn wir abends gekocht haben, dann waren oft Fertiggerichte dabei. So leckere Dinge wie Macceroni mit Käsesauce oder Benˋs Reisgerichte sind wenig genussvoll, machen aber satt.


Camping

Campen ist auf Isand sehr populär. Es gibt sehr viele Zeltplätze, die Übernachtung kostet ca. 20 EUR. Was du als Motorradfahrer beachten solltest, ist dass der Platz einen Raum zu kochen bietet und eine Gelegenheit, deine Stiefel wieder trocken zu bekommen. Das ist nicht selbstverständlich. Bei uns musste an der Askia Jürgen seinen geliebten Roman “Indiana Jones” opfern, damit wir Papier hatten, um die Stiefel von innen trocken zu bekommen.

In den oft angebotenen Gemeinschaftsküchen kann man sich mal eine Stunde aufwärmen, sein Essen zubereiten und mit netten Menschen plaudern. Das fand ich ganz angenehm.

Abends draußen zu sitzen war auf unserer Reise nur zweimal möglich, sonst war es einfach zu kalt. Natürlich ist Camping die günstigste Art, in Island Urlaub zu machen. Eine Notunterkunft bei Dauerregen solltest du jedoch nicht brauchen, bzw. vorher im Budget einplanen – die kostet bei Duerregen in der Hochsaison nämlich ganz schnell einmal bis zu 500,- EUR die Nacht.

Bei uns war das Equipment sehr gut, wir haben uns sehr intensiv vorbereitet. Bis auf ein paar gebrochene Zeltstangen mussten wir keine Ausfälle in Kauf nehmen und konnten wirklich immer draussen schlafen. Bei uns Motorradreisenden muss es natürlich immer ein Optimum aus Funktion, Gewicht und Packmaß sein. Wir haben bei den Radreisenden gesehen, dass in Puncto Gewicht und Packmaß noch viel Luft nach oben wäre, einige davon sind aber auch mit ihren Ultralight-Zelten ordentlich abgesoffen.


Gepäcksystem

Wenn du in Island ins Hochland willst, musst du dir gut überlegen, welches Gepäcksystem du dir zulegst. Ich persönlich bin im Tiefsand 6 mal gestürzt und bin mir sicher, dass das ein Koffer nicht ohne weiteres weggesteckt hätte. Mit den originalen BMW-Plastikkoffern geht es aber definitiv auf keinen Fall gut. Wir sind mit dem Mosko Moto System sehr zufrieden gewesen. Hat man einmal begriffen, wie man das Zeug effizient packt, will man nichts mehr anderes haben. Das Motorrad fällt immer auf weiche Polster 😉 und das System sitzt sehr stabil und kompakt am Bike. Nur einmal habe ich das System verflucht: Als mir der Wagenmeister der ÖBB freundlich aber bestimmt mitgeteilt hat, dass ich das ganze System mit in den Schlafwagen nehmen muss, weil er es nicht für “sicher montiert” hält… das war eine Schlepperei. Glücklicherweise hat der Kollege in Deutschland dann Erbarmen mit mir gehabt und mir sogar das System mit einem Extra-Riemen gesichert. Vielen Dank dafür.


Motorradbekleidung

Island ist nichts für Weicheier. Es regnet nahezu täglich, dazu kommt rauher Offroadbetrieb, viel Dreck und Temperaturen um die 10 Grad. Das muss deine Tourenkombi mitmachen, wenn du komfortabel reisen willst.

Eine GoreTex Kombi ist hier schon sehr luxurös, denn das ständige On/Off der Regenmembran nervt auf Dauer. Ich habe für meine Reise eine iXS Tourmaster GTX zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen. Damit war ich absolut zufrieden. Die Kombi ist immer warm genug und absolut trocken gewesen. Einen einzigen Tag mit 6 Stunden Dauerfahrt im Regen musste ich am Rücken und an den Ärmeln Nässe feststellen. Schuld daran waren aber


  • dass meine Winterhandschuhe so dicke Stulpen haben, dass ich sie nicht unter der Jacke unterbringe
  • dass ich den Verbindungsreissverschluss zwischen Jacke und Hose nicht zugemacht habe


Die Kombi von iXS ist ein Premiumprodukt für den Einsatz auf Island. Dreck ließ sich gut rauswaschen (sogar unter der Dusche). Beim Furten waren meine Stiefel absolut dicht, die Hose von iXS ebenfalls. Ich hatte trotzdem nasse Füße, weil das Wasser ab Kniehöhe innen zwischen Stiefel und Hose hochlief und dann in den Stiefelschaft schwappte… Da war ich sehr dankbar für meine Wasserdichten Socken von Sealskinz, die zwar auf Dauer auch das Wasser nicht zurückhalten konnten, den Fuß aber angenehm warm hielten. Der Extremtest der Jacke war ein Stolperer in einer Furt, bei dem ich bis zum Hals im Wasser lag. Leider hatte ich die Lüftungsöffnungen der Jacke offen, da nützt dann das ganze GoreText nichts mehr ;-). Insgesamt aber ein sehr runde und feine Sache mit der iXS Tourmaster. Natürlich gibt es auch feine Lösungen von Touratech, Klim und Stadler. Aber zu welchem Budget? Mal locker das Doppelte!


Meine Stiefel sind von Gaerne. Absolut wasserdicht und sehr bequem. Auch hier habe ich Leute mit Touratech Stiefeln erlebt, die mal locker das doppelte kosten und trotzdem mit Zeitungsapier am Werk waren, um sie wieder trocken zu bekommen.


Die iXS GoreTex Handschuhe hielten, was sie versprechen – das Wasser blieb (außer am Beginnd er Eiszeit aufgrund der Griffheizung) draußen.

Mein Helm – ein Nexx X.WED2, der mir von Helmexpress zur Verfügung gestellt wurde, hat mich absolut zuverlässig durch die drei Wochen gebracht. Niemals Wassereintritt, das Pinlock Visier absolut zuverlässig und die Geräuschkulisse war angenehm niedrig. In Kombination mit dem Sena Spider war der Helm auch eine meiner Schlüsselkomponenten, um dieses Abenteuer unbeschadet zu überstehen.



Tourmaster GTX von iXS – eine Allzweckwaffe.

Extrem, was Motorradbekleidung in Island aushalten muss…

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Die Protagonisten


Frank Eickvonder (Yamaha)

Sven Jünger (Yamaha)

Jürgen Bachmann (Yamaha)

Michael Schnedl (BMW)

vlnr.

Die geplante Route

Wie es dazu kam…

Es war ein spontaner Satz von Frank auf unserer Tour in den Westalpen, der in meinem Kopf den Samen für ein neues Projekt gesät hat: “Sven und ich möchten nächstes Jahr nach Island fahren. Wenn du Lust d´rauf hast, komm doch mit!”

Mit Island hatte ich mich vorher noch nie auseinander gesetzt. Einiges reizte mich aber daran:

  • Landschaft
  • Einsamkeit und Ruhe
  • 14 Tage Offroad
  • Männer, die sich nicht mehr beweisen müssen und ihren Platz im Leben gefunden haben

Nach reiflicher Überlegung, Besprechung mit meiner Frau Mirjam und intensiver Beschäftigung mit Island, habe ich im Septmber dann zugesagt. Kurz nach mir haben sich auch noch Uli und Jürgen entschieden, mit uns gemeinsam ein Abenteuer zu erleben.

Es ist also fix, im Juli 2022 werden fünf echte Kerle zwei intensive und sicher eindrucksvolle Wochen gemeinsam in Island verleben.

Aktuelle Beiträge zur Islandreise

Tourmaster GTX von iXS – eine Allzweckwaffe. 

Extrem, was Motorradbekleidung in Island aushalten muss…

Gepäck Island

Gepäckprobe 

Mal sehen, ob ich all das Zeug auf meinem Motorrad unterbringe…

iXS-Mulhauser

iXS – Testfahrer 

Warum ich Testfahrer für den neuen iXS TourMaster GTX 2.0 bin und was Robin Mulhauser damit zu tun hat.

ixs-jacke-island

Motorradkleidung für Island 

Island offroad zu bereisen, stellt härteste Anforderungen an Mensch und Material. Das gilt natürlich auch für die Tourenkombi…

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Die Route für Island 

Sven und Frank haben in mühevoller Kleinarbeit eine richtig coole Route für unsere Reise zusammengestellt.

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Der perfekte Schlafsack 

… ist für jeden anders. Die einen mögen´s preiswert, andere stehen auf Natürlichkeit und Schlafkomfort.

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